Was ist Burschenarbeit?

 

Mission Statement

Die Fachstelle für Burschenarbeit verfolgt mit ihren Aktivitäten das Ziel, Burschen und junge Männer in ihrer persönlichen Identitätsentwicklung zu stärken, geschlechterreflektierte Bildungs- und Berufswege zu eröffnen sowie Gewaltprävention und Gleichstellung nachhaltig zu verankern. Grundlage ist die Vision einer Gesellschaft, in der junge Menschen – unabhängig von Geschlecht und Herkunft – ihre Potenziale selbstbestimmt entfalten und ein respektvolles, partnerschaftliches und demokratisches Zusammenleben gestalten. Buben und junge Männer sollen ebenso wie Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sowie Eltern/Erziehungsberechtigte in ihrer „Jungen- bzw. Burschenkompetenz“1 gestärkt werden.

Zentral ist uns dabei die enge Kooperation mit Einrichtungen der Frauen- und Mädchenarbeit.

 

Methodisch-didaktische Konzepte der Fachstelle für Burschenarbeit

Burschenarbeit ist eine professionelle, konzeptionell begründete und geschlechterreflektierende Begleitung von Burschen und jungen Männern bei der Entwicklung ihres Junge- und Mann-Seins in Auseinandersetzung mit Männlichkeits-Anforderungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene2.

Sie wird in der Fachstelle für Burschenarbeit vorwiegend mittels der Methode der Sozialen Gruppenarbeit umgesetzt, wobei in der Gruppenarbeit zwei Orientierungslinien zentral sind:

1.) Die Vielfalt von Männlichkeitskonzepten er- und anerkennen sowie den damit verbundenen Hierarchien entgegenwirken; 

2.) positive, selbstbewusste und eigene Konzepte von Männlichkeit fördern, die nicht auf der Abwertung von Mädchen und Frauen beruhen3.

Als Verein legen wir den Fokus unserer Arbeit auf Männlichkeit und Geschlechterkompetenz. Unsere Mitarbeitenden sind in diesen Themengebieten durch Aus- und Weiterbildungen geschult. Außerdem sind im Team sowie Referierenden-Pool Personen verschiedener Geschlechter beschäftigt, sodass die Jugendlichen von verschiedenen Erfahrungen und Zugängen profitieren können, die bei der Auseinandersetzung mit Männlichkeit besonders bereichernd sind.

Wir arbeiten partizipativ und prozessorientiert entlang des Neutralitäts- und Pluralitätsgebots. Die Teilnehmenden werden dazu befähigt, anhand unterschiedlichster Aspekte und dem Aufzeigen von unterschiedlichen Zugängen zu einem eigenen Urteil zu kommen. Die vermittelten Inhalte werden zielgruppenspezifisch vorbereitet. Dazu werden im Vorfeld der Workshops Vorerfahrungen, Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe mittels Fragebögen anonym erhoben. Im Workshop werden jene Themen und Fragen bearbeitet, die von den Jugendlichen selbst eingebracht werden. Zum Abschluss jedes Workshops werden standardisierte Feedbackbögen ausgeteilt, auf denen die Teilnehmdem ihre Bewertung (Wahrnehmung) des Workshops abgeben. Die Feedbackbögen werden in der Folge wissenschaftlich ausgewertet.

 

Qualitätssicherung

Alle Workshop-Angebote werden in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Männer- und Geschlechterforschung entwickelt und evaluiert. Zudem stehen uns Erfahrungen und Angebote der Fachbereiche Männerberatung und Gewaltarbeit zur Verfügung.

Als Mitglied des Steirischen Fachstellennetzwerks für Jugendarbeit und Jugendpolitik, des Steirischen Netzwerks gegen sexualisierte Gewalt sowie des Netzwerks Sexuelle Bildung Steiermark arbeiten wir nach den gemeinsam festgelegten Qualitätsprinzipien.

Die Begutachtung und Qualitätssicherung unseres sexualpädagogischen Angebots ‚Freiräume‘ für die Steiermark und das Burgenland durch die Geschäftsstelle zur Qualitätssicherung von schulexternen Angeboten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung wurde erfolgreich abgeschlossen.

Darüber hinaus orientieren wir uns in unserer Arbeit maßgeblich am österreichischen Grundsatzerlass „Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung“ des Bundesministeriums für Bildung aus dem Jahr 2018.

 

Kinderschutz

Wir möchten an dieser Stelle abschließend darauf hinweisen, dass wir als Einrichtung dem Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz 2013 unterliegen. Wenn im Zuge eines Workshops der Fachstelle für Burschenarbeit ein begründeter Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung auftritt, folgt daraus eine Mitteilungspflicht an die Kinder- und Jugendhilfe.

 

1 Jantz, Olaf/Müller, Hendrik/Theunert, Markus (2025): Jungenkompetenz: Ein Orientierungsrahmen für die geschlechterreflektierte pädagogische Arbeit mit Jungen, männlichen Jugendlichen und jungen Männern. In: Theunert, Markus/Luterbach, Matthias (Hg.). Mann sein …!? Geschlechterreflektiert mit Jungen, Männern und Vätern arbeiten. Ein Orientierungsrahmen für Fachleute. 2. Auflage. Weinheim Basel: Beltz Juventa, S. 175-207

2 Vgl. Landesarbeitsgemeinschaft Mädchen und junge Frauen in Sachsen e.V./ Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V./ Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen e.V. (Hg.) (2020): Fachexpertise zur geschlechterreflektierenden Arbeit mit jungen Menschen im Rahmen des SGB VIII, S. 34f

3 Vgl. ebd., S. 35