AMS Forschungsgespräch
Bedarfsanalyse unterstützender Maßnahmen von sozial benachteiligten männlichen Jugendlichen an der Schnittstelle Ausbildung und Erwerbsarbeit (Ergebnisse einer Studie im Auftrag des BMASK)
Bedarfsanalyse unterstützender Maßnahmen von sozial benachteiligten männlichen Jugendlichen an der Schnittstelle Ausbildung und Erwerbsarbeit (Ergebnisse einer Studie im Auftrag des BMASK)
Workshops im Rahmen der Stamser Jugendvisonen:
25.2.2014, 11:00-17:00
Handlungsfeld Schule: Sind Burschen die neuen Bildungsverlierer?
Werden Burschen in der Schule benachteiligt? Auf Basis aktueller Ergebnisse der kritischen Männlichkeitsforschung findet in diesem Workshop eine Auseinandersetzung mit der Debatte um schulische Bubenbenachteiligung statt. Zugleich soll ein Austausch über Haltungen und Strategien für eine emanzipatorische pädagogische Arbeit mit Buben/Burschen angeregt werden.
26.2.2014, 11:00-17:00
Handlungsfeld Gewalt (Resilienz): Wer oder was ermöglicht Gedeihen trotz widriger Umstände?
Der Workshop fokussiert auf Gewaltresilienz bei Burschen und Mädchen aus gewaltbelasteten Familien. Ergebnisse einer EU-Studie (http://vmg-steiermark.at/forschung/projekt/ stamina-gewaltresilienz-bei-jugendlichen-eu-daphne) geben Einblick in die Auftretenswahrscheinlichkeit vonGewalt sowie in wesentliche Faktoren zur Unterbrechung von ungünstigen Entwicklungsverläufen bei Burschen und Mädchen. Über die Entwicklung von Maßnahmen zur Stärkung der Gewaltresilienz sollte gemeinsam nachgedacht werden.
Sich einzugestehen, schlimme Erlebnisse von Misshandlung und Gewalt gemacht zu haben, ist an sich schwer – bei Burschen und Männern zumal dann, wenn dies mit Versagen und Schwäche in Verbindung gebracht wird.Nicht selten fühlen sich Betroffene für erlittene Gewalt sogar schuldig („Ich hab’s ja verdient“).
Verdrängung ist manchmal eine notwendige und hilfreiche Form, mit dem erlebten Leid umgehen und leben zu können. Bei betroffenen Burschen und Männern ist die Meinung verbreitet: Wenn sie über Opfererfahrungen nicht sprechen, seien diese nicht präsent. Die schmerzliche Erfahrung wird ausgeblendet. Sie halten Abstand zu ihrer Verletztheit und lassen dadurch keine Nähe zu sich selbst und zu anderen zu.
Die Erfahrung von körperlicher und psychischer Gewalt führt bei Männern wie bei Frauen häufig zu Angst, Schock, Verzweiflung, Schmerz, Scham, Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Verunsicherung. Eine Erfahrung ist, dass Frauen und Männer damit anders umgehen. Burschen und Männer verharmlosen, verschweigen und bagatellisieren die erlebte Gewalt eher. Sie holen sich selten und spät Hilfe. Die starken Gefühle werden als unangenehm und bedrohlich erlebt. Sie nicht wahrhaben zu wollen, nicht zu akzeptieren, kann sich negativ und störend auf das gegenwärtige Leben und auf Beziehungen auswirken.
Unser Job ist es, von Gewalt betroffene Männer ernst zu nehmen, ihnen Zuwendung zu geben. Unangenehme Gefühle wie Angst, Scham und Hilflosigkeit sollen in den Beratungen angesprochen werden. Es geht darum, gewaltvolles Verhalten wahrzunehmen, zu benennen und sich dagegen auszusprechen. Das erfordert Zeit, Hingabe und Konfrontation mit dem Erlebten.
Betroffene reden dann eher über ihre belastenden Erfahrungen, wenn sie auf Menschen treffen, die damit vertrauensvoll und ohne Vorurteile umgehen. Burschen und Männer brauchen Ermutigung, um ihre eigenen Opfererfahrungen wahrnehmen und ausdrücken zu dürfen.
Der ‚Opfer’-Begriff ist unseres Erachtens differenziert, reflektiert und behutsam zu verwenden. Zwischen der Fremdzuschreibung ‚Opfer’ und der Selbstbezeichnung ist sinnvollerweise zu unterscheiden: Jemanden anderen als ‚Opfer zu bezeichnen, kann diskriminierend und damit auch stigmatisierend wirken. Die Fremdzuschreibung kann den Effekt haben, dass die als ‚Opfer’ benannte Person sich nicht in ihrer Gesamtheit wahr und ernst genommen sieht. Das Gefühl zusätzlicher Erniedrigung könnte damit einhergehen.
Das Wort kann hilfreich sein, um leidvolle, schmerzvolle, ohnmächtige Erfahrungen zu benennen, vor allem, wenn die eigene Situation damit beschrieben wird.
Ziel sollte es sein, jemanden zu befähigen, selbst die Verantwortung für die Bewältigung von Gewaltfolgen übernehmen zu können.
Das ist ein leider verbreiteter Mythos. Eine derartige Vereinfachung wird den unterschiedlichen Formen, das Erlebte zu verarbeiten, nicht gerecht.
Männer, die Gewalt ausgesetzt waren, haben ein Recht auf Emotion, darauf, Angst haben zu dürfen. Akzeptanz, Raum und Zeit, Respekt, Achtsamkeit und Zuwendung sind Rechte, die vom Umfeld und professionellen Helfern respektiert bzw. garantiert werden sollen.
Am 18. November 2013 fand die Fachkonferenz Männlichkeit im Gleichstellungsprozess - Neue Erkenntnisse, praktische Zugänge und politische Überlegungen an der FH JOANNEUM in Graz statt.
Im Rahmen dieser Konferenz fand eine Auseinandersetzung mit grundlegenden Haltungen eines geschlechtergerechten Zugangs in der institutionellen Arbeit mit Männern und in der Gleichstellungspolitik statt. Basis dafür bildeten unter anderem die Ergebnisse der EU-Studie The Role of Men in Gender Equality (2011-2012), die Einblick in den Wandel der Geschlechterverhältnisse gewähren sowie einen besseren Kenntnisstand über die Positionierung von Männern in Fragen der Gleichstellung ermöglichen. Dabei stellt sich die Frage nach den zentralen Ansatzpunkten einer Gleichstellungspolitik, die nicht in traditionellen Geschlechterrollen verhaftet bleibt, sondern einen ausgewogenen Zugang zu Männern und Geschlechtergleichstellung entwickelt. Denn nach wie vor gilt: ‚Männer‘ und ‚Frauen‘ sind keine homogenen Gruppen, vielmehr lässt sich Diversität auf Basis anderer sozialer Merkmale (Herkunft, Migration, sozio-ökonomischer Status, etc.) ausmachen.
Hier können Sie die PowerPoint Präsentationen zu den einzelnen Vorträgen downloaden:
Im Rahmen des Seminars „Lernende Erwachsene“, eine Lehrveranstaltung am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz (Mag. Dr. Iris Mendel M.A.), wurden Kurzberichte zur Tagung erstellt. Hier finden Sie ein Auswahl dieser Tagungsberichte von Studierenden.
Die Fachkonferenz wurde vom Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark (VMG, vormals Männerberatung Graz) in Kooperation mit der FH JOANNEUM und der GenderWerkstätte durchgeführt. Finanziert vom Land Steiermark, Fachabteilung 6 - Gesellschaft und Diversität.
Der Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark veranstaltet im Jahr 2014 in Kooperation mit der GenderWerkstätte eine Modulreihe 'Zur Rolle von Männern im Gleichstellungsprozess'. Im Rahmen dieser Modulreihe wird die Rolle von Männern im Prozess der Geschlechtergleichstellung in Österreich diskutiert. Hintergrund dafür sind Feld-/Erfahrungen und jahrelange wissenschaftliche Arbeiten der Referentinnen und Referenten.
Das Thema Männer und Gleichberechtigung wirft Fragen auf:
Sind Burschen Bildungsverlierer?
Müssen Männer gleichgestellt werden?
Die Feministin/Der Feminist?
Welche Verpflichtungen hat Politik im Kontext Geschlechtergleichstellung?
Die EU-Studie (2011- 2012) „Zur Rolle der Männer in der Geschlechtergleichstellung“ hat die neuesten Analysen und Empfehlungen!
Drei Koordinator_innen und Mitgestalter_innen der Studie Nadja Bergmann, Christian Scambor und Elli Scambor werden Ausschnitte der Analyse-Ergebnisse präsentieren und stehen für Fragen zur Verfügung.
Der vorliegende Bericht vermittelt die Ergebnisse der ersten europäischen Studie, die eine systematische Forschung in den 27 EU Mitgliedsstaaten und den assoziierten EFTA Staaten in folgenden Bereichen durchgeführt:
1) die Bedeutung von Bildung und Arbeit für die Rolle von Männern im Gleichstellungsprozess,
2) die Einbeziehung von Männern in Familie, Betreuungs- und Haushaltsarbeit,
3) Männergesundheit,
4) Gewalt im Geschlechterverhältnis und
5) die Mitwirkung von Männern an der Gleichstellungspolitik.
Der Bericht gewährt Einblick in internationale Ergebnisse, ermöglicht europaweite Vergleiche und nimmt Bezug auf die Kosten traditioneller Geschlechterrollen sowie auf den Nutzen der Geschlechtergleichstellung. Dabei wird die Rolle von Männern vor allem mit Blick auf innovative Zugänge thematisiert.
Datum: 10.12.2013
Ort: Seminarraum des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin(= Alte Kapelle), Hof 2.8
Campus der Universität Wien, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Zeit: 19 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten unter office@whiteribbon.at
Siegl, E., Scambor, E., Zingerle, M. & Mauerhofer, N. (2013). Studie Männerarbeit in Österreich. BMASK Männerpolitische Grundsatzabteilung. Wien.
The Role of Men in Gender Equality - Internationale Analysen und Empfehlungen für eine gleichstellungsorientierte Jungen- und Männerpolitik
Der Wandel der Geschlechterverhältnisse in weiten Teilen Europas ist ein Phänomen der vergangenen Jahrzehnte, das sowohl von wirtschaftlichen und sozialen Veränderungsprozessen als auch von Gleichstellungspolitiken maßgeblich beeinflusst wurde.
'Gender means women', so lautete lange Zeit das Subskript von Gleichstellungspolitiken und -strategien in den meisten Ländern Europas: Männer waren dabei in der Rolle abwartender Beobachter anzutreffen, während der Nutzen einer geschlechtergerechten Gesellschaft auf Seiten der Frauen verortet wurde.
Diese Situation hat sich schrittweise verändert: Die Europäische Union nahm in den Gleichstellungspolitiken und Förderprogrammen der letzten 10 Jahre gezielt auf Männer als aktive Akteure im Gleichstellungsprozess Bezug. Neu daran ist, dass Männer explizit benannt wurden.
Im Jahr 2010 wurde seitens der Europäischen Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, um erstmals die Rolle von Männern im Prozess der Geschlechtergleichstellung in systematischer Weise in allen EU- und EFTA-Ländern zu erfassen und einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Ziel dieser Studie war es, gesellschaftliche Veränderungsprozesse und deren Auswirkung auf die Rolle von Männern im Geschlechterverhältnis abzubilden und damit eine fundierte Grundlage für die Entwicklung von Gleichstellungspolitiken zu schaffen.
Der Beitrag diskutiert zentrale Ergebnisse dieser aktuellen EU-Studie The Role of Men in Gender Equality im internationalen Vergleich und macht sie für eine gleichstellungsorientierte Jungen- und Männerpolitik nutzbar. Welche Empfehlungen lassen sich aus den vorliegenden Ergebnissen und Trends für die Jungen- und Männerpolitik ableiten?
Werden Männer in gleichstellungspolitische Analysen und Strategien einbezogen, eröffnen sich neue Perspektiven und Zugänge zum Thema Gleichstellung. Aber Wachsamkeit ist angebracht, damit männerpolitische Zugänge nicht Gefahr laufen, in traditionellen Geschlechtertheorien verhaftet zu bleiben, sich auf mögliche Benachteiligungen zu konzentrieren und/oder sich auf anti-feministische Diskussionen einzulassen.
Daher ist die Anknüpfung an einen pro-feministischen, progressiven und kritischen Zugang bei gleichzeitiger Ablehnung der von Männerrechtsgruppen postulierten Männer-Diskriminierungs-Perspektive zentrale Grundvoraussetzung für eine ausbalancierte Männerpolitik.
Um die Persistenz relevanter Geschlechterdisparitäten erfassen, verstehen und verändern zu können, bedarf es eines ausgewogenen Zugang, der sowohl Privilegien als auch Kosten und Diversitäten von Männlichkeiten in den Blick nimmt. Gleichzeitig darf die Geschlechterrelation, also die wechselseitige Bezugnahme von Frauen und Männern, nicht außer Acht gelassen werden.
Scambor, E. & Zimmer, F. (2013). Transdiziplinäres Arbeiten an der Schnittstelle von Sozialwissenschaft und Medienkunst, in: B. Flath (Hg.), Musikmedienkunst. Wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven. Bielefled: transcript. S. 159-168.
Männerberatung Graz (2009). Evaluation Boys' Day 2008, 2009.